Ob als Cartoonist, Comiczeichner oder in irgend einer anderen Profession, es greift die 3:10 Regel.

3 Jahre bis du es so gut kannst, dass Andere das auch so wahrnehmen, 10 Jahre bis du zu den besten 10% (zu den Profis) gehörst.

Ich habe es oft geprüft, wer mit 13 überragend Geige spielt, übt seitdem er/sie 3 ist. Niemand der auf Youtube oder anderweitig Online etwas bewegt, veröffentlicht kürzer als 3 Jahre. Und auch meine künstlerischen Vorbilder erreichten ein entsprechendes Niveau erst nach 10 Jahren kontinuierlicher Arbeit.

Manchmal ist dieser Zeitrahmen etwas verschleiert, da einzelne Skills anderweitig oder unbeachtet aufgebaut wurden. Ein guter Redner hat das Sprechen nicht erst im TV Praktikum gelernt, sondern in Schule und Freizeit jede Möglichkeit genutzt zu „üben“. Eventuell gibt es, für uns als Außenstehende, schlicht und einfach keine greifbaren Belege für die Entwicklung. Zum andere kann man Teilfähigkeiten auf anderen Wege erlernt haben. Wer gut zeichnen kann, wird sich auch in der Bildhauerei leichter tun, weil gewisses Wissen und Erfahrungen in beidem benötigt werden, z.B. ein umfassendes Verständnis der Anatomie.

So einfach das in der Theorie jetzt alles klingt, einfach 3-10 Jahre machen und du wirst toll. Du musst auch bereit sein den Preis zu zahlen. Gerade als Erwachsener, besonders wenn du etwas von 0 beginnst, produzierst du erst einmal viel „Scheiße“. Leider erkennst du das, im Gegensatz zu Kindern, auch. Für viele endet der Weg dann mit  „ich habe dafür kein Talent“.  Wenn du dich doch weiter Quälst, wirst natürlich auch viel Zeit und eventuell auch Geld investieren, was dir an anderer Stelle dann fehlt. Und am Ende heißt Profi sein, nicht gleichzeitig erfolgreich oder glücklich zu sein.

Genug verlassen dann den eingeschlagenen Weg, weil es nicht so ist wie erwartet, weil sie den Weg gar nicht bewusst oder selbst gewählt haben, weil man sich einfach verändert hat, oder weil andere Prioritäten etwas anderes verlangen.

Wie war/ist das bei mir?

Ich befinde mich seit 5 Jahren auf dieser Reise und das erste Jahr ging allein dafür drauf, zu lernen mein gefühlt kontinuierliches eigenes Versagen zu ertragen und trotzdem immer wieder an zu fangen. Rückblickend unglaublich wertvoll und befreiend. Nach diesen 5 Jahren kann ich versagen, auch vor anderen, es lässt mich noch nicht kalt, aber es ruiniert mir nicht mehr den Spaß. Ich mache mir die Freude an meinen Arbeiten nicht mehr wegen kleiner Fehler kaputt.

Die erste positive Rückmeldungen erhielt ich übrigens schon nach einem Jahr. Aber erst nach 3 Jahren hat das erlernte gereicht, damit andere allein von sich aus und auf Grund meiner künstlerischen Fähigkeiten Geld für meine künstlerische Arbeit bezahlten. Und nein, das allein reicht natürlich noch nicht zum leben.

Jetzt, quasi zur Halbzeit gibt es auch mehr und mehr direkt messbaren Erfolg. Die steigende Zahl der Leser meines Webcomics oder die Weiterverbreitung meiner Werke auf Wegen, mit denen ich nichts zu tun hatte, oder der erste „Kunstdiebstahl“ eines meiner Comics auf Reddit, Anfang dieses Jahres.

Stand heute bin ich recht überzeugt, dass ich zeichnen kann und zweifel nur noch selten an meiner Entscheidung. Auch kann ich recht gut einordnen auf welchen LVL ich aktuell bin und was das bedeutet. Ich genieße es diesen Weg zu gehen und freue mich auf das was noch kommt.

Was bedeutet das für dich?

15. Dezember 2019

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